Die Römisch-katholische Kirche Unserer Lieben Frau der Schmerzen zu Riga befindet sich in der Rigaer Altstadt, in der Pils iela 5. Sie ist ein historisch bedeutsames Bauwerk – das erste katholische Gotteshaus, das nach der Einführung der Reformation in Livland errichtet wurde. Die Kirche ist der Schmerzensmutter geweiht und symbolisiert den zuvor unterdrückten katholischen Glauben in Livland.
Geschichte und Bau
Anfänge: Im Jahr 1780 besuchte Kaiser Joseph II. des Heiligen Römischen Reiches Riga. Angesichts der geringen Größe und der Armut der damaligen katholischen Kapelle versprach er im Gespräch mit der russischen Kaiserin Katharina II., den Bau einer neuen gemauerten Kirche zu unterstützen. Der Kaiser spendete gemeinsam mit seiner Mutter Maria Theresia die Mittel für den Bau.
Bauverlauf: Der Bau begann 1784 und wurde 1785 abgeschlossen. Am 28. Juli desselben Jahres wurde das Gotteshaus vom Mogiljewer Weihbischof Jānis Benislavskis konsekriert.
Baumeister und Urheber: Bei den Arbeiten wurde in großem Umfang die Arbeit zunftfreier russischer Handwerker (Plotniki) in Anspruch genommen. Der Architekt ist nicht genau bekannt, doch besteht die Möglichkeit, dass der Bau vom damaligen Rigaer Stadtbaumeister K. Haberland beratend begleitet wurde.
Ursprüngliches Erscheinungsbild und Maße
Nach den Zeichnungen von J. C. Brotze aus dem Jahr 1791 und historischen Angaben hatte die Kirche ursprünglich folgendes Aussehen:
Anordnung: Das Presbyterium lag zum Schlossplatz hin, der Eingang jedoch war von der Seite der Düna aus angelegt, um den Verkehr auf dem Platz nicht zu stören.
Maße: Länge (mit Presbyterium und Vorraum) – 28,4 Meter, Breite – 14 Meter, Höhe – 12 Meter.
Gestaltung: Die Wände waren in den kühlen Tönen des Klassizismus gestrichen (grünlich mit Weiß). Ein niedriger Turm mit halbkugelförmiger Kuppel erhob sich über der Altarapsis. Der Boden war mit Kalksteinplatten belegt, das Dach mit Blech gedeckt.
Innenraum: Im Inneren befanden sich fünf Marmoraltäre: der Altar der Schmerzensmutter, des hl. Ignatius von Loyola, des hl. Johannes Nepomuk, des hl. Vinzenz Ferrer und der Altar des Gekreuzigten.
Umbauten und Erweiterungen
1837: Auf Kosten des Bürgers Mārtiņš Boldaševskis wurde auf der Nordseite eine kleine Kapelle mit einem Altar angebaut.
1858–1860: Es fand ein umfangreicher Umbau nach dem Plan des Architekten Johann Felsko statt. Die Fassade der Kirche erhielt ihren heutigen neuromanischen Stil. Das Presbyterium wurde auf die gegenüberliegende (südwestliche) Seite verlegt und um eine Sakristei erweitert.
1885: Auf der Westseite wurde ein achteckiges Baptisterium angebaut.
1895–1896: An der Stelle der alten Kapelle wurde durch Spenden des Grafen Justinian Szczytt und seiner Verwandten eine neue gemauerte Kapelle im italienischen Renaissancestil errichtet. Sie wurde zu Pfingsten 1896 zu Ehren der Rosenkranzmutter Gottes geweiht. In der Kapelle wurden drei Altäre aufgestellt: der zentrale (der Rosenkranzmutter Gottes), auf der rechten Seite (des hl. Josef) und auf der linken Seite (des Herzens Jesu).
Heutige architektonische und innere Gestaltung
Heute hat die Kirche die Formen des Umbaus von 1860 und des Baptisteriums von 1885 bewahrt und bildet ein einheitliches Ensemble mit den umliegenden Privathäusern.
Fassade und Struktur: Ein dreischiffiger Bau mit zylindrischen Gewölben und einem Blech-Satteldach. Die Mauerwände bewahren die für den Klassizismus typische hellblaugrüne und weiße Farbgebung, und die Rundbogenfenster sind mit dekorativem Putz eingefasst.
Altäre und Heiligenbilder: Auf der rechten Seite der Kirche befindet sich ein Seitenaltar des hl. Antonius von Padua, auf der linken Seite einer zu Ehren der hl. Anna. Seitlich des Presbyteriums sind die Heiligenbilder des Barmherzigen Jesus und der hl. Therese von Lisieux angebracht.
Gaben der Pilger: Im Laufe der Zeit wurden bei den Seitenaltarbildern von Pilgern mitgebrachte Heiligenbilder hinzugefügt – eine Lithografie und eine Statue der Muttergottes von Medjugorje (1996) sowie ein Heiligenbild der Muttergottes von Guadalupe (2002).